Mitten aus der Nacht

Buch: Mitten aus der Nacht Mitten aus der Nacht

17 kriminelle Geschichten

erschienen bei BoD, Norderstedt,
Oktober 2012
140 Seiten, 9,90 Euro
ISBN: 9-783848-214778

Klappentext:
Was schleppen zwei Gestalten durch den Park an der Bismarckstraße? Ist nach den Rhönschafen am Ernsbach ihr Schäfer das nächste Opfer? Warum vergiftete Hannelore Messerschmidt einen ihr völlig Unbekannten?
Verbrechen lauern überall: im Schrebergarten oder auf dem Campingplatz, im Mittelgebirge und am Meer, im Hochsommer wie zur Weihnachtszeit.
In siebzehn kriminellen Geschichten nimmt Uta Lösken die Leser mit in die Abgründe der menschlichen Existenz.

Leseprobe:

Berufung

„Wollen Sie nicht lieber Ihren Anwalt dabei haben?“
Kommissar Henze hielt den Kopf schief und musterte die Frau auf der anderen Seite des Tisches.
Hannelore Messerschmidt saß aufrecht auf dem grauen Plastikstuhl, die Hände locker im Schoß gefaltet. Man sah ihr die 52 Jahre nicht an.
Sie schüttelte den Kopf. Der Hauch eines blumigen Parfüms wehte zu Henze hinüber.
„Ich brauche keinen Anwalt. Ich weiß, was ich getan habe. Ich bin weder geistig umnachtet noch habe ich im Affekt gehandelt. Was also soll ein Anwalt bringen?“
Henze zuckte mit den Schultern, rückte das Mikrofon zurecht und schaltete das Tonbandgerät ein. Er leierte Datum, Uhrzeit und die Namen der Anwesenden herunter. Dann sah er Hannelore erwartungsvoll an.
„Sie gestehen also, Herrn Dankwart Strecker getötet zu haben.“
„Vergiftet“, korrigierte Hannelore. „Ja, das habe ich. Mit Digitalis.“
Pause.
„Frau Messerschmidt, soweit wir wissen, kannten Sie Herrn Strecker überhaupt nicht. Warum haben Sie ihn vergiftet?“
„Ich wurde dafür bezahlt.“ (…)