Unterwegs gesehen: Jozef Pankiewicz – Zypressen (1909)

(Öl auf Leinwand, 57 x 51 cm)

Von unterwegs habe ich mal wieder ein Landschaftsbild vom Anfang des 20. Jahrhunderts mitgebracht. Dieses hier habe ich in Danzig gesehen, im Nationalmuseum, Abteilung Moderne Kunst.

Jozef Pankiewicz (1866 – 1940) war ein polnischer Maler und Hochschullehrer. Er gilt als Vertreter des Post-Impressionismus, ist also malerisch verwandt mit Paul Cézanne. Und ich finde, das sieht man.

Nicht nur, dass Pankiewicz in Ausstellungen Bilder der Maler aus der „Barbizon-Schule“ gesehen hat und von ihnen beeinflusst wurde, er war mehrfach zu Aufenthalten in Paris und Südfrankreich, wo er schließlich seine letzten Jahre verlebte.

Was fällt mir bei der Betrachtung auf?

Das Bild ist klar gegliedert. Im Zentrum steht ein einfaches, hell verputztes Haus mit hellrotem Ziegeldach, hinter dem sich eine Gruppe Zypressen erhebt. Die vordere Giebelspitze liegt fast genau im Zentrum der Bildfläche, doch durch den flachen Anbau am Haus und die Zypressen dahinter, ist das Motiv etwas aus der Mitte nach links gerückt.

Der helle Putz des Hauses bildet mit dem einzelnen dunklen Fenster und dem dunklen Grün der Zypressen den größten Tonwertkontrast im Bild und fängt damit sofort den Blick.

Die Landschaft, die das Haus umgibt, ist klar gegliedert in Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Den Vordergrund bilden Weinstöcke. Das Haus wird von Wiesen umgeben, begrenzt durch Bäume, die ihrer Form nach vermutlich Oliven darstellen. Dahinter verschwimmt die Landschaft zu horinzontalen Streifen, begrenzt von Höhenzügen, die im Dunst in den Himmel überzugehen scheinen.

Hier kann man die sogenannte Luftperspektive gut erkennen: Je näher die Objekte am Betrachter sind, desto klarer und wärmer sind die Farben und desto stärker die Kontraste. Je weiter entfernt, desto kühler werden die Farben und die Kontraste werden geringer.

Was nehme ich für mich mit?

Ich finde es spannend, dass die Farben von Haus und umgebender Landschaft sich überall auf dem Bild finden. Der Orangeton des Ziegeldaches ist abgedunkelt im Boden unter den Weinstöcken und aufgehellt bis in die Wolken zu finden. Das Violett der Hügel im Hintergrund findet sich in der Landschaft, im Hausdach und in den Schatten an der Mauer. Das hält das Bild zusammen, schafft Einheit in der Variation.

Und ich habe hier mal wieder sehen dürfen, dass es ganz „normal“ ist, sich von den Werken anderer Künstler*innen beeinflussen und inspirieren zu lassen. Dass Techniken und Ideen weitergereicht werden und sich so ausbreiten über Grenzen hinweg. Schön, oder?

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