(Bleistift und Collage auf Packpapier, 41,5 x 32,5 cm)
Der Künstler Kurt Schwitters (1887 – 1948) ist untrennbar verbunden mit dem Dadaismus, hat den Begriff „Merz“-Kunst geprägt. In einer Collage verwendete er ein Stück Papier, bei dem ein Ausschnitt aus dem Wort „Kommerz– und Privatbank“ zu sehen war. Und danach hat er dieses Fragment als Bezeichnung für seine gesamten Arbeiten verwendet.
Die Collage oben habe ich im Frühjahr 2023 im Museum für moderne Kunst in Belém/Lissabon gesehen und fotografiert.
Was fällt mir bei der Betrachtung auf?
Schwitters schichtet Papierstücke aus Zeitungen, Büchern, Kalendern und allerlei Gefundenes übereinander und ergänzt mit Bleistift-Schraffuren.
Der Titel der Collage ist hier – wie bei „Merz“ – eine Zeichenfolge von einem der Papierstücke.
Auf den ersten Blick wirkt die Collage chaotisch, willkürlich. Und doch hat sie eine Struktur.
Die meisten Papierstücke sind so angeordnet, dass ihre Ränder parallel zueinander verlaufen, vertikal und horizontal mit einer leichten Neigung von links unten nach rechts oben. In der Mitte gibt es eine Art Briefmarke, um die sich die verschiedenen Papierteile wie Flügel einer Windmühle zu drehen scheinen.
Neben dem gelbstichigen Papier finden sich als Farben ein rotbrauner Ton in der oberen Hälfte und einzelne kräftig-gelbe Elemente. Dazu kommen die großen Zahlen „31“ und „15“ von einem Abreißkalender, die durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast den Blick auf sich ziehen. Nur ein Element unten links hat einen vergleichbaren Tonwertkontrast.
Während die „15“ sich in die Ordnung der Papiere einfügt, scheint die „31“ daraus zu entkommen. Unterstützt wird diese Bewegung durch die Bleistiftschaffuren im oberen Bereich der Collage.
Was nehme ich für mich mit?
Die Schichtung von ganz unterschiedlichen Papieren finde ich spannend, ebenso die Kombination von Collage mit Stiften oder Farbe.
Mir gefällt die abstrakte Qualität von Schwitters Arbeit, weil die Komposition in den Mittelpunkt rückt, nicht eine bildliche Darstellung.
Bisher habe ich Collagen vor allem auf kleinem Format, meist 15 x 15 cm, gestaltet.
Ich möchte in der nächsten Zeit mit größeren Formaten ein bisschen in diesem Stil experimentieren, um zu sehen, ob das etwas für mich ist.




Liebe Uta
Dank dir lerne ich, Kunst anders zu betrachten. Ich bin meist eher schreiberisch unterwegs. Ich schreibe, um mit meinem Wesen in Kontakt zu bleiben.
Dank deinen schriftlichen Betrachtungen lerne ich, dass ich Kunst nicht nur dahin betrachten kann, ob sie mich „anspricht“ (das merke ich schnell), sondern auch dahin, warum sie das tust (das habe ich mich fast nie gefragt).
Danke!
Liebe Grüsse Gertrud