Schlittenglück

Schnee auf Holzpfosten

Ein Mensch liebt Sonne, Wärme, Licht,
er schätzt den Winter folglich nicht.
Mit einer Ausnahme: Es fällt
der erste Schnee auf seine Welt.

Schaut zu, wie sich die fetten Flocken
auf jede Tannenspitze hocken,
wie Wege, Wiesen erst gescheckt,
dann gleichmäßig von Weiß bedeckt.

Erinnert sich, wie er vor Jahren
an manchem Tag zum Schlittenfahren
mit Freunden hügelwärts marschiert,
wenn’s draußen kräftig schneit und friert.

Ihm fällt der alte Schlitten ein,
der muss noch auf dem Speicher sein.
Holt ihn herab, poliert die Kufen,
hört sich schon „Macht die Bahn frei!“ rufen.

Nimmt Handschuh, Mütze, langen Schal,
zieht warm verpackt durchs stille Tal.
Im Dämmern ist das Ziel erreicht,
die Steigung hochzugehn fällt leicht.
Dem Kind erschien als Riesenberg,
was heute ihm ein Hügelzwerg.

Und wieder fängt es an zu schnein.
Er hat den Hang für sich allein,
setzt sich zurecht auf seinem Schlitten,
sofort wird schwungvoll losgeglitten.

Doch hat die Abfahrt ihre Tücken,
manch harter Schlag fährt in den Rücken,
es knackt und knarrt in den Gelenken.
Ließ sich der Schlitten früher lenken?
Was macht da plötzlich auf der Strecke
die Weißdorn-Hasel-Eibenhecke?

Der Mensch zerrt an der Schlittenleine,
bremst mit den Füßen. Wirkung: keine.
Die Büsche nähern sich behände,
abrupt ist seine Fahrt zu Ende.

Ein Ruck und Schnee fällt von den Zweigen,
als Eibe sich und Hasel neigen.
Ein Schreckmoment, dann muss er lachen
und denkt: „Was machst du nur für Sachen?“
Und lächelt leis‘ in sich hinein.
Wie schön, noch einmal Kind zu sein.

 

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