Unterwegs gesehen: CH XIV von László Moholy-Nagy (1939)

(Öl auf Leinwand, 118 x 119,5 cm)

Nachdem meine Inspiration des Monats den Schwerpunkt auf Schwarz-Weiß gelegt hat, heute ein Bild, bei dem ebenfalls Schwarz, Weiß und Grau im Zentrum stehen.

Diese fast quadratische Arbeit hat meinen Blick gefangen, als ich vor zwei Jahren durchs Museum für moderne Kunst in Belém/Lissabon gebummelt bin. Als würde die Fläche von einem Scheinwerfer angestrahlt und Licht-Schatten-Effekte darauf zaubern.

Was fällt mir bei der Betrachtung auf?

Neben Schwarz, Weiß und Grautönen finden sich nur zwei kleine Flächen in einem rosigen Ton und einem hellen Graublau, also eine sehr reduzierte Farbigkeit.

Dafür zeigen die Tonwertkontraste, also die Unterschiede in der Helligkeit der einzelnen Bildelemente, ihre starke Wirksamkeit.

Blickfang ist der fast bildfüllende helle Kreis, der von ovalen, ringartigen Formen geschnitten wird, die aus dem Bild herausragen. Über die Kombination von runden Formen zieht sich waagerecht eine Gruppe von streifenartigen rechteckigen Flächen. Die im Prinzip einfarbigen Flächen liegen auf einem texturierten Grund, der an einen Stoff mit senkrechter Musterung erinnert.

Die runden und eckigen Formen sind alle verschieden voneinander, sowohl in Größe als auch in Farbe, was für Spannung sorgt. Sie wirken im Bild aber gut ausbalanciert.

Der Bereich, an dem sich Kreis, Ringe und Streifen treffen, liegt an einem der Schnittpunkte, die man durch die sogenannte „Drittel-Regel“ bekommt (s.u.). Diese wird auch gerne beim Fotografieren genutzt, um den Bildgegenstand so zu positionieren, dass die Bildkomposition interessant wirkt, und ist eine Art Vereinfachung des „Goldenen Schnitts“.

Drittel-Regel: Die Fläche wird vertikal und horizontal jeweils in drei gleich breite Streifen geteilt. Positioniert man ein wichtiges Bildelement auf einem der Schnittpunkte der Teilungslinien, so ergibt sich eine harmonische aber spannende Bildkomposition.

Was nehme ich für mich mit?

Vor allem für abstrakte Bildkompositionen (aber nicht nur) ist das Thema „Unterschiede“ entscheidend für die Wirkung. Unterschiede in Formen, Größen, Farben, Tonwerten, Texturen.

Die „Drittel-Regel“ bietet eine Möglichkeit, eine harmonische und trotzdem interessante Bildkomposition zu erzeugen.

Solche Bildkompositionen mit wenigen geometrischen Formen könnte ich mit Collagematerial ausprobieren. Eine gute Übung, um sicherer zu werden. Denn wenn ich an die „täglichen Collagen“ von 2024 zurückdenke, dann waren meist diejenigen am „erfolgreichsten“, die möglichst einfach aufgebaut waren.

Bildkompositionen wie diese oder auch einige der Arbeiten von Anne-Marie Fischer (meine Inspiration des Monats) sind ein gutes Thema für ein Skizzenbuch.

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