(24 x 33 cm, Öl auf Karton)
Es ist schon ein bisschen her, seit ich dieses Bild im Arp Museum Bahnhof Rolandseck gesehen habe. Es ist klein, hat mich aber angesprochen. Warum eigentlich? Darüber möchte ich mir heute ein paar Gedanken machen.
André Derain (1880 – 1954) war neben Henri Matisse einer der zentralen Künstler des Fauvismus. Wieder mal eine Bezeichnung für eine Kunstrichtung, die ursprünglich als abschätzige Bemerkung eines Kunstkritikers gemeint war (wie beim Impressionismus). Einige der „wilden Bestien“, der „Fauves“, hatten Anfang des 20. Jahrhunderts im französischen Hafenort Collioure am Mittelmeer gemalt. Immer noch zieht es viele Künstlerinnen und Künstler dorthin. Auch wenn das ehemalige Fischerdorf heute von Touristen überlaufen ist, mag ich es sehr.
Was fällt mir bei der Betrachtung auf?
Typisch für die „Fauvisten“ sind die klaren Farben und die einfachen Flächen. Der Maler gibt die Landschaft abstrahiert, stilisiert wieder, ohne sie mit Licht und Schatten zu modellieren.
Die Bildfläche wird durch die dunkelgrünen Elemente gegliedert. Das optische Zentrum liegt aus der Bildmitte nach rechts unten gerückt in einer kleineren grünen Fläche, die ein Gebüsch oder eine Hecke darstellen könnte.
Zu dieser Fläche führen einerseits die Ränder eines Weges von unten her und von links die Reihe der Zypressen, die dem Bild seinen Namen geben. Ausbalanciert wird die Komposition durch eine grüne Fläche oben rechts, die ebenfalls als Baumgruppe gelesen werden kann.
Die untere Bildhälfte teilt sich in drei unterschiedlich große Flächen in warmen Gelb-Orange-Tönen. Die obere Hälfte zeigt einen blassgrünlichen Himmel, der eher neutral wirkt, und – prominent hinter dem Bildzentrum positioniert – eine hell-violette Fläche, die an die Pyrenäen erinnert.
Derain arbeitet hier mit der Luftperspektive: warme, rötliche Farben kommen näher, kühle, bläuliche und violette Farben dagegen treten zurück.
Das Bild wirkt – auch wegen seines kleinen Formats – eher wie eine Studie als wie ein ausgearbeitetes Werk. In dieser Form beschreibt es die grundlegende Struktur der Landschaft, die wichtigen Elemente, ohne sich in Details zu verlieren.
Was nehme ich für mich mit?
Ein Bild kann seine Wirkung auch ohne viele Details entfalten. Die Farbflächen liefern eine klare Vorstellung der Landschaft, schaffen durch ihre Farbigkeit Atmosphäre.
Diese Farbflächen wirken von weitem zwar einfarbig, sind aber texturiert durch Pinselspuren, das macht sie lebendig.
Ich mag diese starke Vereinfachung, mag die kräftigen Farben und lockeren Pinselstriche. Das ist etwas, das ich ausprobieren möchte: ein Motiv auf die nötigen Farbflächen und eine klare Komposition reduzieren. Die entscheidende Frage: Wie viel ist genug?



