Unterwegs gesehen: Robert Delaunay und August Macke

Heute habe ich dir zwei Bilder mitgebracht, die ich letztes Jahr zusammen in einer Ausstellung gesehen habe. „Formes Circulaires“ von Robert Delaunay (Öl auf Leinwand, 81 x 65 cm) und „Farbenkreis II“ von August Macke (farbige Kreide auf grauem Papier, 27 x 24 cm).

Der Franzose Delaunay, kaum älter als Macke, hat seinen deutschen Künstlerkollegen inspiriert. Und nicht nur ihn, auch Franz Marc und Paul Klee wurden durch ihn beeinflusst.

Delaunay beschäftigte sich seit 1912 mit der Farbmalerei, sehr stark auch mit Kreisformen. In diesem Jahr besuchten August Macke, Franz Marc und Paul Klee ihn in Paris und waren fasziniert von seinen Farben und Formen.

Was fällt mir bei der Betrachtung auf?

Beide verwenden kräftige Farben und setzen warmes Gelb und Orange neben kühleres Blau und Grün.

Während bei Delaunay die Tonwerte sehr ähnlich sind, verstärkt Macke die Kontraste durch dunklere Töne bis hin zu Schwarz. Zusätzlich sind seine Kreise in Quadranten aufgeteilt, sodass sich kontrastierende Farben nebeneinander finden.

Insgesamt setzt sich Mackes Bild – obwohl deutlich kleiner als das von Delaunay – aus mehr Einzelflächen zusammen. Für mich wirkt es dadurch lebendiger, während Delaunays Bild mehr Ruhe ausstrahlt.

Auch die unterschiedlichen Medien, mit denen die Künstler gearbeitet haben, unterstützen diesen Eindruck. Die weichen Pinselstriche Delaunays geben den Farbflächen wenig Textur, was zur Ruhe beiträgt. Die Schraffuren mit der Kreide in Mackes Bild verlaufen meist in Richtung der ringförmigen Flächen und bringen sie in eine kreisende Bewegung.

Während die Kreisformen Delaunays konzentrisch angeordnet sind, gibt es zwar auch bei Macke ein Zentrum, aber die Ringe wirken um dieses Zentrum verschoben gegeneinander. Außerdem sind die einzelnen Ringformen nicht überall gleich breit, anders als bei Delaunay. Auch das bringt für mich mehr Spannung ins Bild.

Was nehme ich für mich mit?

Beide Künstler arbeiten mit ähnlichen Ideen wie Farben und Formen. Aber jeder macht daraus sein eigenes Werk.

Macke wurde durch Delaunay inspiriert, sich mit Farbkreisen zu beschäftigen. Wie diese Inspiration später in seine Bilder einfließt, ist aber seine ureigene Sache.

Genau da liegt, denke ich, der Unterschied zwischen „kopieren“ und „sich inspirieren lassen“. Ich sehe etwas, das mich anspricht. Ich überlege, was genau es ist, das mich da berührt. Und dann versuche ich nicht, ein Bild zu kopieren, sondern die „Erkenntnis“, die ich gewonnen habe, in meine eigene Arbeit zu integrieren.

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