(Öl auf Leinwand, 78,4 x 100,6 cm)
Kandinsky war Synästhetiker, das heißt, verschiedene Sinneseindrücke waren bei ihm eng verbunden. Er nahm Farben auch als Klänge wahr und sah Farben, wenn er Musik hörte. Nach einem Konzert des Komponisten Arnold Schönberg malte er das Bild „Impression III (Konzert)“ in einem Schwung. Ich habe es vor längerer Zeit im Lenbachhaus in München gesehen und fotografiert.
Was fällt mir bei der Betrachtung auf?
Da ich weiß, das das Bild mit einem Konzert zu tun hat, wirkt es auf mich wie einer stark abstrahierte Form dieses Ereignisses. Eine große, schwarze Fläche, annähernd dreieckig, erinnert an einen Konzertflügel; er dominiert die oberer Hälfte des Bildes, ist nahezu mittig angeordnet. Eine weitere große Fläche füllt die rechte Seite wie ein gelbes Dreieck, das unten zur linken Seite hin ausläuft. Diese Fläche leuchtet kräftig und wirkt laut auf mich.
Unten links finden sich mehrere Formen, die ich als stark abstrahierte Figuren deute, genauso wie die kleineren Formen an der linken Seite. Vermutlich stehen sie für das Publikum, dass sich dem „Flügel“, der schwarzen Form, zuneigt.
Die großen schwarzen und gelben Flächen bilden den passiven Bereich des Bildes, die Bereiche mit den „Figuren“ den aktiven Bereich.
Die Gesamtkomposition verläuft sehr dynamisch diagonal von links unten nach rechts oben und ist in klaren, leuchtenden, weitgehend reinen Farben gehalten. Neben Schwarz und Gelb, die die größten Farbflächen bilden, finden sich auch Rottöne, Blau und wenig Grün. Und einige weiße Bereiche, die die farbigen kleineren Formen umschließen.
Obwohl die bunten Farben weitgehend ungemischt nebeneinander stehen, fällt das Bild nicht auseinander. Ich denke, das liegt an den schwarzen Linien und Flächen, die überall im Bild zu finden sind und daher zur Verbindung beitragen.
Was nehme ich für mich mit?
Ich mag die Dynamik im Bild und die leuchtenden Farben. Es wirkt roh, direkt, kraftvoll.
Ich hätte gerne mehr von dieser ursprünglichen Malerei in meinen Bildern. Selbst wenn ich intuitiv und locker gestartet bin, neige ich dazu, zu viel daran herum zu „editieren“. Das treibt vor allem den abstrakteren Arbeiten oft ihre Lebendigkeit aus. Und auch – oder vielleicht gerade – wenn ich ein Motiv nach einem Urlaubsfoto male, ein paar Häuser in einem Ort zum Beispiel, bin ich zu kontrolliert, überarbeite Flächen und Formen zu lange und zu oft.
Beim nächsten Mal möchte ich daran denken, dass ich mehr von den ersten Pinselstrichen stehen lasse, mehr vom Anfang ins fertigen Bild hinüberrette.



