Diesen Stoßseufzer kennst du vermutlich auch, oder?
Kreativ sein klingt gut. Kreativ sein hat etwas von Freiheit. Und gerade, wenn wir in der Lebensmitte stehen, dann sehnen wir uns oft nach einem Stück Freiheit.
Vor allem Frauen sind meist eingespannt zwischen (Teilzeit-)Arbeit, Kümmern – erst um die Kinder, dann um pflegebedürftige Eltern –, Haushalt und Partnerschaft. Von außen werden eine ganze Reihe von Ansprüchen an sie herangetragen. Und die erfüllen sie gewissenhaft, denn über diese Aufgaben definieren sie häufig sich und ihren Wert.
Etwas nur für sich selbst zu machen, wirkt egoistisch, und unsere Erziehung hat uns beigebracht, dass Egoismus etwas Schlechtes ist. Aber eine gesunde Portion Egoismus tut uns gut, man nennt das Selbstfürsorge.
Ich bin nicht religiös geprägt, aber ich mag die Formulierung: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Die zweite Hälfte dieses Satzes wird oft übersehen.
Nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich andere lieben. Nur wenn ich mich um mich selbst und mein Wohlbefinden kümmere, kann ich anderen Gutes tun. Und wenn Kreieren das ist, was ich für mich tun möchte, dann sollte ich dem auch Zeit und Raum reservieren.
Das Problem:
Wir neigen dazu, erst alles zu erledigen, von dem wir glauben, es ist wichtiger. Nach der Erwerbsarbeit stehen Kochen, Putzen, Aufräumen und was auch immer sonst noch an. Wenn wir damit schließlich fertig sind, „dürfen“ wir uns um uns selbst und unsere Kreativität kümmern.
Und was passiert? Wir sind nicht nur fertig mit all den Aufgaben, wir sind auch fertig mit unserer Kraft, haben keine Energie mehr für das, was uns Freude bereitet und Energie schenken soll.
Da hilft nur eins:
Wir müssen die Wichtigkeit von Malen, Schreiben oder was auch immer unsere kreative Lieblingsbeschäftigung ist, anerkennen und ihr einen festen Platz im Kalender einräumen. Und zwar nicht hinter all den anderen Dingen, sondern mindestens mittendrin, wenn nicht sogar ganz vorne.
Ich weiß, das klingt schwierig, ist es auch. Wir brauchen Mut dazu, unsere Interessen selber wichtig zu nehmen, und wir brauchen Mut, auch unserem Umfeld klar zu machen, dass sie wichtig sind!
Trauen wir uns also, einen Termin für die Kreativität in unseren Kalender einzutragen, und zwar an prominenter Stelle. Und ganz wichtig: Den Termin auch einhalten!



Ich habe gelernt: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen! Nur, wie du auch festgestellt hast, war dann für das Vergnügen keinr Energie mehr da. In meinem Fall kam das Vergnügen gar nie zum Einsatz, da immer Arbeit übrig blieb.
Erst jetzt. in meinen Pensions-Jahren kehre ich den Satz um (und oft immer noch mit schlechtem Gewissen). Aber ich nehme mir jetzt die Umkehrung heraus.
Wie schön, dass du dir jetzt endlich „erlaubst“, deinem Vergnügen nachzugehen. Und ich kann verstehen, dass sich da immer noch ein schlechtes Gewissen im Untergrund bemerkbar macht. Wir haben so viele Sätze gelernt in unseren jungen Jahren, dass es schwer ist, sie wieder loszuwerden. Selbst wenn wir wissen, dass sie für uns nicht mehr richtig sind.
Genieß die Freiheit, die du jetzt hast, liebe Gertrud.
Herzlichen Gruß, Uta