Malen auf Reisen (2)

Wie ihr im letzten Blogbeitrag sehen konntet, ist mein aktuelles Unterwegs-Mal-Equipment übersichtlich, aber immer noch kein leichtes Gepäck. Im Wohnmobil hat es bequem seinen Platz gefunden, in die Landschaft habe ich es bisher aber nicht getragen.

Stattdessen habe ich die Staffelei hin und wieder auf dem Campingplatz aufgestellt, mein Papier auf die Platte aufgezogen und einfach ein bisschen mit Farbe gespielt.

Leider habe ich nicht von Anfang an Zwischenstationen mit Fotos dokumentiert.

Nachdem ich zuerst einige Linien mit Bleistift aufs Papier gezogen, eine Art unregelmäßiges Raster angelegt habe mit kleinen Feldern im Zentrum und großen außen herum, habe ich Farben gemischt und die Felder locker gefüllt, ohne mich sklavisch an die Linien zu halten. Damit war das Blatt nicht mehr nackt und der Untergrund saugte die Farbe weniger auf (ich hätte auch vor der Reise die Blätter mit Gesso grundieren können, wollte ich aber nicht).

Da ich noch reichlich Farbe auf der Palette hatte, habe ich zum Malmesser gegriffen und mit lockeren Bewegungen Farben auf die Leinwand gestrichen, dünn verteilt und hineingekratzt. So sah das Blatt aus, als ich beschloss, den Rest des Nachmittags lieber am Strand zu verbringen:

Zum Weiterarbeiten am nächsten Tag habe ich die Platte mit dem aufgeklebten Blatt kurzerhand auf den Kopf gestellt, um es zu verfremden. Der zeitliche Abstand hat zusätzlich geholfen zu überlegen, wie ich weitermachen wollte.

Erste Erkenntnis: Hauptsächlich mittlere Tonwerte, wenig Kontraste, sehr ähnliche Strukturen auf dem ganzen Blatt.

Zweite Erkenntnis: Es muss etwas Dramatisches her! Etwas, dass einen Unterschied macht und auf das ich dann reagieren kann.

Pinsel genommen – einen nicht zu dünnen, runden, weichen – mit viel blauschwarzer Farbe gefüllt und in einer kräftigen Bewegung – da darf der ganze Körper mitgehen – einen Schwung aufs Papier gebracht. (Hier bedauere ich sehr, kein Foto gemacht zu haben!)

Wieder zurücktreten, schauen, länger schauen und nach innen hören, spüren, was vom Bild zu mir klingt.

Um es kurz zu machen, ich habe den Pinsel noch eine Weile zwischen Palette und Papier hin und her wandern lassen, kräftige Farben, zarte Töne gemischt und aufgetragen, habe im oberen Bereich die alten Strukturen flächig übermalt.

Als ich mein „work in progress“ habe trocknen lassen, wusste ich, worauf es hinauslief. Wusste, dass nur noch wenige Dinge nicht „richtig“ waren. Aber das habe ich auf zuhause verschoben.

Am letzten Sonntag dann noch ein paar kleine Aktionen, ein Finish mit Acrylbinder, trocknen lassen und rahmen (mit Rahmen und Passepartout aus dem Fundus).

Malen auf Reisen

Hier noch zwei kleine Ausschnitte, der Schichten und Strukturen wegen:

Malen auf Reisen
Malen auf Reisen

Das Bild ist keine Wiedergabe eines bestimmten Anblicks einer konkreten Landschaft. Es ist entstanden, nachdem wir kleine, alte Bergdörfer in Südfrankreich besucht haben, uns von der Atmosphäre der Orte und der Gegend rundum haben beeindrucken lassen, ist entstanden aus einem Gefühl für die Region.

Und ich hoffe, dieses Gefühl schwingt in diesem Bild ein wenig mit.

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