Work in Progress

Punkt, Strich, Klecks – Bildelemente, die Erste

(Bild oben: Work in Progress, Acryl auf Sperrholz, 25 x 25 cm)

Ich entdecke gerade die Arbeit auf Sperrholzplatten für abstrakte Stücke. Der feste Untergrund lässt Bearbeitungsmöglichkeiten zu, die auf Papier schwer und auf Leinwand kaum möglich sind, wie z.B. Schleifen mit Schleifpapier oder einem Exzenterschleifer. Außerdem entstehen andere Effekte, wenn man mit Spachteln etc. arbeitet. Spannend!

Das Bild ist noch mitten im Entstehen, aber ich möchte es als Beispiel nehmen für die Bildelemente Fläche, Linie und Punkt.

Was fällt als erstes auf? Es gibt zwei dunkle Flächen, eine in der oberen Hälfte, eine am unteren Rand. Dazwischen verschiedene hellere Flächen in unterschiedlichen Formen.

Die dunklen Flächen ziehen den Blick auf sich, weil sie erstens groß sind und zweitens einen starken Kontrast zur helleren Umgebung bilden.

Geht man näher heran, nimmt man auch die feineren Unterschiede wahr.

Linien als Strukturmittel
(Ausschnitt aus “Work in Progress”)

Innerhalb der farbigen Flächen erkennt man Linien, die z.B. durch Ritzen in die noch feuchte Farbe entstanden sind. Sie geben der Fläche Struktur oder deuten Bewegung an.

Punkte als Strukturmittel
(Ausschnitt aus “Work in Progress”)

Auch Punkte finden sich, hier als gespritzte Kleckse in kontrastierender Farbe. Sie tragen zur Lebendigkeit der Flächen bei und verbinden sie.

Off-Topic: Mir kommt gerade der Mathematik-Unterricht in der Schule in den Sinn. In der Geometrie hat ein Punkt keine Ausdehnung, deshalb mussten wir früher auch kleine Kreuze im Heft machen, wenn wir einen Punkt markieren wollten. Solche „Punkte“ wie oben hätte mein Mathe-Lehrer als Fliegenschiss bezeichnet. Komisch, woran man sich manchmal erinnert, oder?

Zurück zu den Bildelementen. In der Malerei kann ich Punkt, Linie und Fläche auch einzeln nutzen. Denkt an den Pointillismus von z.B. Georges Seurat, bei dem farbige Punkte beim Betrachten aus der Entfernung zu farbigen Flächen verschmelzen. Wenn wir zeichnen, nutzen wir Linien zur Darstellung von Konturen, füllen aber auch Flächen z.B. mit Schraffuren. Und wenn’s um Flächen geht, fällt mir spontan als ein Beispiel die Farbfeldmalerei ein, Mark Rothko ist einer der bekanntesten Vertreter.

Die Bildelemente Fläche, Linie und Punkt kann ich natürlich auch in der Fotografie finden. Dieses Foto ist in Frankreich an der Loire entstanden.

Linie und Fläche im Foto

Die grobe Bildaufteilung besteht aus der kompakten Fläche aus Holz, die mehr als die untere Hälfte einnimmt, dem Streifen Wasser und dem schmalen Grünstreifen am oberen Bildrand.

Die Holzstruktur ist linear und sehr lebhaft strukturiert, bildet einen Kontrast zum ruhigen Wasser. Die grüne Spiegelung am oberen Rand ist durchsetzt von hellen Punkten (hier vermutlich nicht so gut zu erkennen).

Sehen lernen

Wir sind gewohnt, das, was wir sehen, zu analysieren und schnell einzuordnen, so wie im obigen Bild: Baumstamm, Wasser, Gras. Dadurch schauen wir meist nicht mehr genau hin, nehmen die Flächen, Linien, Strukturen als solche nicht wahr und auch nicht ihre Beziehungen zueinander.

Nehmen wir uns doch einfach mal etwas Zeit, unsere Umgebung unter diesem Blickwinkel zu betrachten. Wer weiß, was wir da alles Spannendes entdecken.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.