Sehnsucht nach Meer: Erste Versuche auf Papier (2)

Fließende Farbe lässt sich nicht kontrollieren, ein wenig steuern vielleicht, aber das Ergebnis ist nicht vorhersagbar. Spannend, oder?

Ein Bild mit fließender Farbe zu beginnen hat etwas zu tun mit Loslassen, Kontrolle abgeben, ein Stück weit wenigstens. Ich mag das. Vielleicht gerade, weil ich nur schwer delegieren kann, weil ich sonst gerne genau weiß, was auf mich zukommt.

Die ersten Pinselstriche und Kleckse in sehr dunklem Blau sind getrocknet. Was kommt als nächstes?

Hatte ich nicht irgendwann mal farbige Zeichentusche gekauft?

Ihr kennt das vermutlich: Ihr stöbert in einem Kunstbedarfsladen herum oder im Online-Shop eures Lieblings-Händlers und da gibt es sooo viele und sooo tolle Materialien, die ihr brauchen könnt. Ihr wolltet doch immer schon mal mit Tusche zeichnen, farbige Tusche, nicht nur diese fette, schwarze China-Tusche? Und schon landen vier Fläschchen wasserfest auftrocknende Zeichentusche in eurem Einkaufskorb, denn ihr wollt euch nicht entscheiden für eine Farbe. Und mischen kann man die bestimmt auch. Und dann? Dann werden sie vergessen und stehen lange Zeit irgendwo zwischen all den anderen Farben und Strukturpasten und Pigmenten herum.

Grüne Tusche passt gut zu blauschwarzen Strichen und Klecksen. Und Tusche verläuft auch so schön unvorhersehbar, wenn man das Papier anfeuchtet. Die Fläschchen haben im Verschluss Pipetten, mit denen man die satte Farbe in kleine Wasserpfützen tropfen kann. Sie verteilt sich augenblicklich, lässt sich mit kurzen, scharfen Pustern in feine Linien zerstreuen oder mit der Sprühflasche über das Papier treiben. Ausprobieren und spielen und sehen, was passiert.

Ich brauche klar umgrenzte Strukturen

Nachdem die Tusche und all das Wasser auf dem Papier getrocknet sind, betrachte ich die zehn Blätter. Was kann ich als nächstes hinzufügen?

Ich nehme einen Bleistift, Härtegrad H, und fange an, kleine Formen in Gruppen aufs Papier zu zeichnen. Ich denke an Steine im Wasser, wie sie von Strömung und Wellen zu Haufen zusammengeschoben werden. Der Bleistift zieht Furchen ins Papier, die Linien glänzen in einem matten Grau. Ein schöner Kontrast zu den farbigen, ausgefransten Flächen.

Sehnsucht nach Meer (2)
Work in Progress (15 x 25 cm)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.