Warum male ich, was ich male?

Schon lange male ich, meist Landschaften. Früher in Aquarell, später in Acryl. Ursprünglich gegenständlich, inzwischen mehr und mehr abstrahiert. Ein Schwerpunkt: das Meer (muss ich wohl nicht mehr betonen, oder?).

Ich schaue mich um. Befreundete Malerinnen beschäftigen sich teils mit figurativen Arbeiten, mit Menschen oder Tieren, teils sind sie fasziniert von Pflanzen, von Blumen oder von Strukturen und Mustern.

Selbst wenn wir Ausflüge in andere Gebiete machen – bei mir hin und wieder reduzierte Stilleben oder Collagen -, kehren wir immer wieder zu unserem Hauptthema zurück.

Zur Kunst gehört nicht nur die praktische Arbeit an den Bildern sondern auch die Reflexion, das Nachdenken darüber. Also stelle ich die Frage nach dem Warum.

Warum male ich Landschaften? Was fasziniert mich so an ihnen?

Eine erste Antwort: Ich mag die Natur. Ich mag Wiesen und Felder, Wald, Heide und Moor, mag Flüsse und Meer. Aber ich mag auch alte Häuser, kleine Dörfer, urige Gassen, also das Menschen-Gemachte, wenn es gewachsen wirkt, eine Geschichte hat.

Die Natur ist es also nicht alleine, die erste Antwort ist zu oberflächlich. Als Künstlerin ist es wichtig, unter diese Oberfläche zu gehen, also frage ich weiter:

Welche Art von Landschaft fasziniert mich am meisten? Klare Antwort: Meer natürlich, egal ob Nord- oder Ostsee, Atlantik oder Mittelmeer. Aber es gibt noch mehr: Wenn ich an das Teufelsmoor in der Nähe von Bremen denke, an flache Wiesen voller Kühe und Schafe in Friesland oder an leuchtende Heideflächen in den schottischen Highlands, dann geht mir das Herz auf. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben Weite, Offenheit, reichen bis zum Horizont und darüber hinaus.

Was bedeuten diese Weite und Offenheit für mich? Eine naheliegende Antwort wäre: Freiheit. Aber die hätte ich auch, wenn mein Blick von einer Hügelkuppe oder einem Berggipfel über das Land streift. Das ist für mich aber nicht dasselbe.

Was also ist es, das mir bei weiten, offenen Landschaften, vor allem aber am Meer dieses Lächeln entlockt, das ganz tief aus meinem Inneren gespeist wird?

Einerseits – bei freundlichem Wetter – ist es eine Ruhe, Entspanntheit, die ich aufnehme. Stürmt es, biegen sich Bäume an Feldrainen, brechen Wellenkämme, dann spüre ich die Kraft, die Energie der Natur. Und auch diese Energie überträgt sich auf mich, ich tanke regelrecht auf. Meine Antennen scheinen einfach auf diese Art von Landschaften ausgerichtet zu sein, scheinen auf genau der Wellenlänge zu empfangen, auf der Meer und weite Flächen senden.

Was bedeutet das für meine Malerei? Ich möchte dieses Gefühl in meine Bilder einfließen lassen, muss also einen Weg finden, wie ich das schaffe. Und genau diesen Weg suche ich, wenn ich Schicht für Schicht an den Bildern arbeite.

Und während ich Schicht für Schicht auf dem Malgrund aufbaue, versuche ich Schicht für Schicht tiefer zu dringen zum Warum.

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