Zum Valentinstag ein Gruß an meine Musen

Verehrte Euterpe, geschätzte Kalliope,

ich habe euch sträflich vernachlässigt – Asche auf mein Haupt – und weder Gedicht noch Geschichte flossen aus meiner Feder seit vielen Monden. Habe zu lange diese Feder im Kasten und das Tintenfass verschlossen gelassen. Habe euch ausgesperrt und stattdessen einer Namenlosen die Tür geöffnet.

Für die Malerei gibt es keine Muse, keine klassische. Zeus hatte es wohl nicht so mit Pinsel und Farbe.

Trotzdem war sie plötzlich da, die Inspirierende, die Antreibende, stand im Vorgarten und klopfte ans Fenster. Stellte sich vor als Melete, titanisch, zuständig für Meditation, Übung und Praxis. Sollte ich sie verjagen, nur weil ich euch bereits folgte?

Ich ließ sie ein und sie ließ sich nieder. Sah mich an mit diesem tiefen Blick, dem ich nicht ausweichen konnte. Pupillen dunkel und weit wie das All, hypnotisch.

„Die Worte strömen dir leicht aufs Papier“, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf. „Du malst Bilder mit ihnen, gestaltest Welten. Das kannst du auch auf andere Weise tun.“

Sie bewegte ihre Lippen nicht und doch verstand ich jede Silbe.

„Papier ruft nicht nur nach Tinte, auch nach Farbe sehnt es sich. Du hast diese Farbe. Ein Regenbogen voller Farben harrt ungenutzt des Pinsels in diesem Raum, den du Atelier nennst. Bediene dich ihrer und schaffe!“

„Ich kann nicht“, flüsterte ich betreten. „Ich weiß nicht wie und ich weiß nicht was.“

Melete legte ihren Kopf auf die Seite und lächelte.

„Mach es wie die Kinder. Spiele! Probier etwas aus. Fühlt es sich gut an, mach mehr davon. Wenn nicht, probier etwas anderes. Folge deiner Intuition.“

„Das kostet Zeit, das kostet Geld. Farben und Papier sind teuer, ich will sie nicht verschwenden.“

Melete lachte.

„Verschwendung wäre es, wenn du es nicht versuchst.“

In einer fließenden Bewegung erhob sie sich und war zur Tür hinaus, ehe ich wusste, wie mir geschah.

Euterpe, du Lyrikerin, Kalliope, du Geschichten-Erzählerin, ich weiß, ihr versteht. Musste ich dieser Aufforderung doch einfach folgen, wie ich auch euren Aufforderungen so lange gefolgt bin. Und wieder folgen werde, wenn ihr noch ein wenig Geduld mit mir habt.

Ich grüße euch, ihr Musen, und hoffe, ihr bleibt mir gewogen.

In tiefer Verbundenheit

Eure Uta

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