„Das Bild ist fantastisch geworden!“ Wem würde als Künstler*in nicht die Brust schwellen bei so einem Kommentar. Und wie sehr zieht uns ein „Das ist kompletter Mist!“ runter?
Positive oder negative Rückmeldungen zu dem, was wir kreieren, können einen starken Effekt auf uns haben. Müssen sie aber nicht. Und sollten sie auch nicht, denke ich.
Was machen negative Rückmeldungen mit uns?
Ich möchte den Bereich „negative Rückmeldungen“ unterteilen in „Kritik am Werk“ und „Kritik an der Person“.
„Kritik an der Person“ wäre zum Beispiel „Wer malt denn heute noch Landschaften?“ oder „In deinem Alter wird das nichts mehr mit der Kunst.“ oder „Du hast überhaupt keinen erkennbaren Stil.“
Tut weh, oder? Wir werden persönlich angegriffen durch solche Aussagen. Egal, von wem sie kommen, wir zucken erstmal zurück, fühlen uns verletzt. Versuchen dann vielleicht, zu erklären und uns zu rechtfertigen. Aber der Stachel sitzt tief.
Beispiele für „Kritik am Werk“ könnten sein: „Das Portrait hat aber keinerlei Ähnlichkeit.“ oder „Die Linien sind ja alle krumm und wackelig.“ oder „Das sind doch nur bunte Farbflecken, das kann doch jedes Kind.“
Diese pauschalen Aussagen beurteilen dein Werk nach Kriterien desjenigen, der diese Aussagen trifft, ohne deine eigene Intention überhaupt in Erwägung zu ziehen.
Auch hier neigen wir dazu, uns zu rechtfertigen, zu begründen, warum wir etwas so und nicht anders gemacht haben.
Beide Formen der negativen Kritik können uns verunsichern, im schlimmsten Fall dazu bringen aufzuhören mit etwas, an dem wir eigentlich Freude haben. Mit negativen Rückmeldungen sollten wir also sehr vorsichtig umgehen und versuchen, sie nicht zu nah an uns heranzulassen. – Leichter gesagt als getan, ich weiß.
Was machen positive Rückmeldungen mit uns?
Lob und Anerkennung tun uns erstmal gut. Wenn jemand uns sagt, dass er oder sie toll findet, wie wir malen, was wir malen, dann freuen wir uns natürlich. Wenn wir gelobt werden für die leuchtenden Farben oder die naturgetreuen Stillleben oder die witzigen Zeichnungen, stärkt das unser Selbstbewusstsein als Künstler*in.
Hier lauert aber eine Falle, in die wir tappen können:
Wir werden abhängig von positivem Feedback. Wir machen mehr von dem, was andere gut finden. Wir wiederholen, was ankommt, auch wenn es beginnt, uns zu langweilen. Ein Problem, das viele Künstler kennen: Sie müssen „liefern“, was die Kundschaft wünscht.
Aber nur wenn ich experimentiere, Neues ausprobiere, auch auf die Gefahr hin, dass es nicht funktioniert, nur dann kann ich mich künstlerisch weiterentwickeln. Und ich glaube, nur diese Form von persönlichem Wachstum macht uns zufrieden.
Also gar keine Kritik annehmen?
Doch, natürlich, Kritik ist wichtig. Ich meine damit aber konstruktive Kritik, die uns weiterbringt.
Zwei Beispiele: „Dein Bild hat für mich zu wenig Spannung. Etwas mehr Dramatik durch stärkere Hell-Dunkel-Kontraste könnte ich mir gut vorstellen.“ Oder: „Ich frage mich, worauf dein Fokus im Bild liegt? Die Farbflächen haben alle eine ähnliche Größe, ich finde kein optisches Zentrum.“
Wenn jemand solch konkrete Kritik äußert, dann empfinde ich das als Wertschätzung, weil er oder sie sich intensiv mit meinem Bild auseinandergesetzt hat. Ich gehe nicht gleich in Abwehrstellung (wie das bei allgemeinen negativen Aussagen meist passiert), sondern denke über das Gesagte nach. Und kann die Anregungen annehmen, wenn ich sie für gerechtfertigt halte, oder begründet ablehnen. So oder so habe ich etwas dazugelernt.
Fazit:
Von allgemeinen Rückmeldungen zu uns und unserer Kunst sollten wir uns nicht (zu sehr) beeinflussen lassen. Weder uns von negativen Aussagen entmutigen lassen, noch von Lob und Beifall abhängig machen. Erste Instanz für die Beurteilung unserer eigenen Arbeit sind wir selber.
Konstruktive Kritik – wertschätzend und begründet formuliert – dagegen ist herzlich willkommen.


