10. Dezember

10. Dezember

Es gibt Bilder, die berühren uns, sie regen etwas tief in uns an, als ob sie Schwingungen ausstrahlen, auf die wir reagieren, mit denen wir in Resonanz geraten. Mal ist es das Motiv selbst, mal sind es die Farben oder die Art der Darstellung, die uns nach einem ersten Blick verharren lassen.

Wir nehmen uns Zeit, schauen genauer hin, gehen näher, vergrößern wieder den Abstand, entdecken Details, können trotzdem nicht wirklich erklären, warum das Bild uns fasziniert.

Aber es löst Gedanken und Empfindungen in uns aus. Vielleicht erinnern wir uns an einen Urlaub im Süden, wo das Meer genauso leuchtend blau und der Himmel so weit war. Oder an einen Herbstspaziergang, bei dem das Sonnenlicht die Blätter der Buchen golden flirren ließ. Oder die stilisierte Figur, die eine Straße zwischen Hochhäusern entlang geht, lässt ein Gefühl der Einsamkeit in uns aufsteigen.

Eine ähnliche Verbindung sehe ich auch, wenn ich Lyrik lese oder höre. Wir können vielleicht nicht erklären, was Autorin oder Autor uns mit den Zeilen sagen möchte. Manche Wort-Kombinationen wirken auf uns willkürlich oder unverständlich. Trotzdem weckt der Text ein Gefühl, eine Stimmung in uns. Denn die Schreibenden haben in einer bestimmten Stimmung, mit einem bestimmten Gefühl geschrieben, das in den Worten mitschwingt.

Diese Resonanz möchten wir auch mit unseren Bildern bei anderen hervorrufen. Wir möchten, dass sie verstehen, was wir beim Malen gedacht und empfunden haben. Nein, nicht unbedingt verstehen, sondern spüren. Es geht vor allem um eine emotionale Verbindung.

Die Brücke, von der Delacroix spricht, entsteht nicht bei jedem. Nicht jedes Bild ist für jeden Betrachter, nicht jedes Gedicht für jeden Leser.

Aber immer wieder wird es Menschen geben, die – auch über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg – diese Brücke finden können.


10. Dezember

There are paintings that touch us, they stimulate something deep within us, as if they radiate vibrations to which we react, with which we come into resonance. Sometimes it’s the motif itself, sometimes it’s the colors or the type of representation that make us pause after a first glance.

We take our time, take a closer look, come nearer, increase the distance again, discover details, but still cannot really explain why the painting fascinates us.

But it triggers thoughts and feelings in us. Perhaps we remember a vacation in the south, where the sea was just as bright blue and the sky was so wide. Or an autumn walk where the sunlight made the beech leaves shimmer golden. Or the stylized figure walking down a street between skyscrapers makes us feel lonely.

I see a similar connection when I read or listen to poetry. We may not be able to explain what the author is trying to tell us with the lines. Some word combinations seem arbitrary or incomprehensible to us. Nevertheless, the text arouses a feeling, a mood in us. Because the writers wrote in a certain mood, with a certain feeling that resonates in the words.

We would like to evoke this response from others with our paintings. We want them to understand what we thought and felt while painting. No, not necessarily understand, but feel. It’s all about an emotional connection.

The bridge that Delacroix speaks of isn’t built up to everyone. Not every painting is for every viewer, not every poem for every reader.

But there will always be people who – even over decades or centuries – can find this bridge.

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