Zeichnen unterwegs

Unterwegs malen (1): Skizzenbuch oder Fotoapparat?

Vor mir ziehen sich Rebzeilen einen sanften Hang hinauf. Die knorrigen Stöcke sind um diese Jahreszeit überall gut zu erkennen. Die Blätter entfalten sich unterschiedlich schnell, je nach Weinsorte. Am Boden Pusteblumen, die ihre Schirmchen in den Wind entlassen, über allem ein helles Blau. Die Landschaft klar strukturiert von Menschenhand.

Ich sitze am Rand der Weinfelder auf einem Hocker, ein Skizzenbuch in der einen, einen Fineliner in der anderen Hand, und versuche, ein paar Impressionen zeichnerisch einzufangen. Koloriere anschließend teilweise mit Aquarellstiften und einem Pinsel mit Wassertank.

Ich glaube, so stellen sich die meisten das Malen oder Zeichnen unterwegs vor. Ich probiere es immer wieder, doch das Skizzenbuch ist bisher nicht wirklich mein Freund. Ob es daran liegt, dass ich mich kaum ernsthaft damit beschäftigt habe? Vielleicht fehlt mir einfach die Routine, mit wenigen Strichen zu notieren, was ich sehe, so wie ich Gedanken mit Worten in ein Notizbuch schreibe.

Mein visuelles Skizzenbuch ist bisher meist der Fotoapparat. Ich sammele nicht nur komplette Landschaften, sondern auch Details, zum Beispiel die fleckige Rinde einer Platane, Risse im Asphalt oder eine spannende Natursteinmauer.

Aber das ist etwas ganz anderes, als zu zeichnen. Es geht viel schneller und der Eindruck, den der Druck auf den Auslöser erzeugt, ist flüchtiger als der, der bei einer Zeichnung mit der Hand entsteht.

Wenn ich fotografiere, habe ich ein genaues Abbild von all dem, was vor mir liegt. Wenn ich zeichne, wähle ich aus, was mir wichtig ist für meine Komposition. Ich muss das Motiv nicht kopieren, ich darf es so aufbauen, dass sich ein stimmiges Bild ergibt.

Ich kann Bäume versetzen, wenn sie an anderer Stelle besser passen, oder sie ganz weglassen. Ich kann die Linien an Gebäuden vereinfachen, muss nicht jeden Stein in einer Mauer wiedergeben.

Wozu Skizzenbuch?

Jetzt bin ich glatt in die Falle getappt, in der ich beim Stichwort “Skizzenbuch” schon so oft gelandet bin. Ich denke wieder nur an fertige Bilder. Es geht aber nicht darum, eine gebundene Sammlung kleiner Kunstwerke zu schaffen (auch das gibt es natürlich), sondern um eine Möglichkeit, Eindrücke festzuhalten.

Das können ein paar Striche auf dem Blatt sein, ergänzt durch Notizen zu möglichen Farbtönen. Oder wilde Kritzeleien, um Strukturen in einer Landschaft “aufzuschreiben”. Außerdem kann ich im Skizzenbuch experimentieren, etwas erforschen. Zum Beispiel bei ein paar Mischübungen mit ungewohnten Farben. Oder beim Ausprobieren verschiedener Werkzeuge wie Federn oder Zweige.

Und ganz wichtig: Das Skizzenbuch ist erstmal für mich bestimmt, es ist meine Spielwiese ich muss es niemandem zeigen.

Und was mache ich, wenn ich unterwegs über das Skizzenbuch hinaus gehen möchte? Dazu ein paar Gedanken beim nächsten Mal.


Painting on the go (1): sketchbook or camera?

Zeichnen unterwegs

Rows of vines stretch up a gentle slope in front of me. The gnarled canes are easy to spot everywhere at this time of year. The leaves unfold at different speeds, depending on the type of wine. Dandelions on the ground, releasing their little umbrellas in the wind, above all a light blue. The landscape clearly structured by human hands.

I’m sitting on a stool at the edge of the vineyards, a sketchbook in one hand, a fineliner in the other, and try to capture a few impressions in drawings. Then partially color in with watercolor pencils and a brush with a water tank.

I think that’s how most people imagine painting or drawing on the go. I keep trying, but the sketchbook isn’t really my friend so far. Is it because I’ve hardly given it any serious thought? Maybe I just don’t have the routine of jotting down what I see with a few lines, the way I write thoughts with words in a notebook.

So far, my visual sketchbook has mostly been the camera. I not only collect complete landscapes, but also details, for example the blotchy bark of a plane tree, cracks in the asphalt or an exciting natural stone wall.

But that is very different from drawing. It’s much quicker and the impression produced by pressing the shutter button is more fleeting than that of drawing by hand.

When I photograph, I have an accurate representation of what is in front of me. When I draw, I choose what is important to me for my composition. I don’t have to copy the motif, I can build it up in such a way that a coherent picture emerges.

I can move trees if they fit better elsewhere, or omit them altogether. I can simplify the lines on buildings, I don’t have to reproduce every brick in a wall.

Why sketchbook?

Now I’ve fallen into the trap I’ve fallen into so many times when I hear the word “sketchbook”. I only think of finished paintings again. But it’s not about creating a bound collection of small works of art (of course there is that, too), but about a way of capturing impressions.

This can be a few strokes on the sheet, supplemented by notes on possible shades. Or wild doodles to “write down” structures of a landscape. I can also experiment in the sketchbook, explore something. For example with a few mixing exercises with unfamiliar colors. Or trying out different tools like feathers or twigs.

And very important: The sketchbook is intended for me first, it’s my playground, I don’t have to show it to anyone.

And what do I do if I want to go beyond the sketchbook on the go? A few thoughts on that next time.

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