Intuitiv und bewusst im Wechsel: ein spannender Malprozess

Mit den Fingern in die Farbe, dann auf das große Blatt Papier, das an der Atelierwand hängt. Ich starte mit Schwarz, weil ich das sonst nie mache. Meine Hand bewegt sich kreisend über das Papier, hinterlässt Spuren. Ich verstärke die Spuren, mache mehr davon. Mein ganzer Körper schwingt im Rhythmus der kreisenden Bewegung.

Dieses Bild sehe ich vor mir, wenn ich mich an einen Workshop “Intuitives Malen” bei der Künstlerin Maria Möller erinnere. An den Wänden des Ateliers hat sie für jede von uns vier Frauen ein Blatt starkes Mixed-Media-Papier im Format DIN-A1 befestigt, das wir zuerst mit einer dünnen Schicht Tapetenkleister überziehen – mit Händen in Einmalhandschuhen.

Dann soll jede spontan eine Farbe wählen, mit der sie startet. Die wird mit etwas Kleister vermischt, um die Trocknungszeit zu verlängern. Mit beiden Händen bringen wir die Farbe auf das Papier, verschieben sie auf dem Kleister, wischen, kratzen hinein. Nach und nach dürfen wir weitere Farben dazunehmen, sollen aber möglichst wenige verwenden.

Die Zeit vergeht schnell, das Blatt füllt sich. Es kommt der Moment zurückzutreten und zu betrachten, was vor uns liegt. Welche Bereiche gefallen uns? Was möchten wir verstärken? Was ist zu viel und soll gehen? Fragen nach einer möglichen Bildkomposition.

Nach einer Pause bei Tee oder Kaffee, in der die Blätter trocknen dürfen, überarbeiten wir unsere Bilder. Nehmen immer wieder Abstand, schauen, überlegen und arbeiten weiter. Am Ende des Tages sind wir erschöpft aber zufrieden.

Workshop wirkt nach

Ihr merkt, dieser Workshop hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Diese Kombination aus lockerer, intuitiver Malerei und dem bewussten Überarbeiten war damals ganz neu für mich.

Inzwischen nutze ich sie regelmäßig, wenn ich an abstrakten Bildern arbeite, zum Beispiel für mein Thema “Sehnsucht nach Meer”.

Das hier ist übrigens das Bild, das im Workshop entstanden ist.

Hat auch was von Meer und Wellen, oder?

Seit damals habe ich viele Videos gesehen von Künstler*innen, die so oder so ähnlich arbeiten. Die ihren Malgrund mit intuitiven Pinselspuren “aktivieren” (wie manche das nennen), die ihre Energie möglichst frei fließen lassen. Sie bringen auf diese Weise viel von sich selbst auf Papier oder Leinwand.

Meistens folgt danach bewusste Überarbeitung, kontrollierte Komposition, um die Wirkung des Bildes zu klären und zu verstärken.

Und was mache ich, wenn ich zuviel gemacht habe? Wenn ich “über-arbeitet” habe? Dann braucht es einen mutigen Eingriff, einen fetten Pinselschwung zum Beispiel, um dem Bild frische Energie zu geben und etwas, auf das man erneut reagieren kann.

Jedes Mal ein spannender Prozess.


Intuitive and conscious in alternation: an exciting painting process

With my fingers in the paint, then on the large sheet of paper hanging on the studio wall. I start with black because I never do that otherwise. My hand moves in circles over the paper, leaving traces. I amplify the tracks, make more of them. My whole body vibrates to the rhythm of the circular movement.

I see this image in front of me when I remember a workshop “Intuitive Painting” with the artist Maria Möller. On the walls of the studio, for each of us four women, she has attached a sheet of strong mixed media paper in DIN A1 format, which we first cover with a thin layer of wallpaper paste – with our hands in disposable gloves.

Then everyone should spontaneously choose a color to start with. This is mixed with some paste to extend the drying time. With both hands we apply the paint to the paper, move it on the paste, wipe, scratch into it. Gradually we may add more colors, but should use as few as possible.

Time flies quickly, the sheet fills up. The moment comes to step back and contemplate what lies ahead. Which areas do we like? What do we want to reinforce? What is too much and should go? Questions about a possible painting composition.

After a break for tea or coffee to let the sheets dry, we rework our paintings. Again and agein stepping back, looking, thinking and then keep working. At the end of the day we are exhausted but satisfied.

Workshop has a lasting effect

As you can see, this workshop left a deep impression on me. This combination of loose, intuitive painting and conscious reworking was completely new to me at the time.

I now use it regularly when I’m working on abstract paintings, for example for my theme “Longing for the Sea”.

By the way, this is the painting I did in the workshop.

There is something of sea and waves in it, right?

Since then I’ve seen a lot of videos of artists working similarly. Who “activate” (as some call it) their painting surface with intuitive brush marks, who let their energy flow as freely as possible. They put a lot of themselves on paper or canvas in this way.

Most often this is followed by conscious reworking, controlled composition, to clarify and enhance the effect of the painting.

And what do I do if I’ve done too much? If I “over-worked”? Then a courageous intervention is needed, for example a bold brush sweep, to give the painting fresh energy and something to react to again.

An exciting process every time.

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