Muss ein Bild schön sein, um gut zu sein?

Spontane Reaktion auf diese Frage: Nein, natürlich nicht!

Es gibt viele berühmte Werke, die alles andere als “schön” sind, zum Beispiel Porträts von Egon Schiele oder Kriegsbilder von Georg Baselitz.

Wobei sich über das Thema “Schönheit” trefflich streiten lässt, denn da stellen sich weitere Fragen: Was macht Schönheit aus? Wer legt die Kriterien fest? Wie verändert sich unser Schönheitsideal?

Und genauso kann man streiten darüber, was man unter einem “guten” Bild versteht. Aber darum geht es mir heute nicht.

Als ich vor einer Weile diese Frage hörte, fiel mir bei den Begriffen “schön” und “gut” ein weiteres Wort ein: Akzeptanz.

Ich glaube, wir akzeptieren leichter, was wir als schön empfinden. Und ich glaube, dass wir unterschwellig versuchen, schöne Bilder zu malen, damit diese von anderen akzeptiert werden. Aber damit bremsen wir uns häufig aus, und es ist gar nicht so einfach, diese Selbstbeschränkung loszulassen. Eine kleine Geschichte dazu.

Januar 2009

Auf meiner Staffelei stand – weiß und nackt – eine Leinwand im Format 70 x 50 cm. Ich stand davor und hatte keine Ahnung, was ich malen wollte. Griff mir einen fetten Pinsel und leuchtendes Zinnoberrot, schmierte damit planlos auf der Leinwand herum. Stellte den Pinsel in ein Wasserglas und verließ das Atelier.

Als ich später zurückkehrte und mir die roten Pinselspuren anschaute, schien ein riesiges Gesicht zurückzuschauen, das die komplette Leinwand ausfüllte. Ich hatte eine Ahnung von Augenpartie, von Nase und Mund. Mit Schwarz, Weiß, reichlich Wasser und verschiedenen Pinseln bin ich dem Gefühl nachgegangen. Innerhalb kürzester Zeit ist dieses Bild entstanden:

Es ist kein “schönes” Bild, vermutlich auch kein gutes. Trotzdem hat es bis heute auf unserem Speicher überlebt; ich habe es nicht übermalt, wie so viele andere Bilder.

Warum?

Weil es direkt aus meinem Inneren kam, ungefiltert, ungebremst. Es hat eine gewisse Rohheit, die ich heute noch mag. Sie erinnert mich daran, immer mal wieder den Kopf auszuschalten, Vorstellungen beiseite zu legen und einfach zuzulassen, was kommt.


Does a painting have to be beautiful to be good?

Spontaneous reaction to this question: No, of course not!

There are many famous works that are anything but “beautiful”, for example portraits by Egon Schiele or war paintings by Georg Baselitz.

Whereby the topic of “beauty” can be argued about, because further questions arise: What defines beauty? Who sets the criteria? How is our ideal of beauty changing?

And just as one can argue about what is meant by a “good” painting. But that’s not what I’m talking about today.

When I heard this question a while ago, when I heard the words “beautiful” and “good”, another word came to mind: acceptance.

I think we accept more easily what we consider beautiful. And I believe that subliminally we try to paint beautiful paintings so that they will be accepted by others. But that often slows us down, and it’s not easy to let go of this self-restraint. A little story about that.

January 2009

On my easel stood a canvas measuring 70 x 50 cm, white and bare. I stood in front of it and had no idea what I wanted to paint. Grabbed a fat paintbrush and bright vermillion, smeared it aimlessly across the canvas. Put the brush in a glass of water and left the studio.

When I came back later and looked at the red brush marks, a huge face seemed to be looking back, filling the entire canvas. I had an inkling of the area around the eyes, nose and mouth. I followed the feeling with black, white, plenty of water and different brushes. This painting emerged in a short amount of time:

It’s not a “nice” painting, probably not a good one either. Despite this, it has survived to this day on our attic; I didn’t paint over it like I did with so many other paintings.

Why?

Because it came straight from within me, unfiltered, unchecked. There’s a rawness to it that I still like today. That reminds me to turn my head off every once in a while, to put aside ideas and just let be what comes.

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