Ausstellung im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck

Wie reagiert ihr auf Kunst?

Seid ihr auch froh, dass es wieder recht einfach möglich ist, Ausstellungen zu besuchen? Dass nicht nur große Museen geöffnet sind, sondern auch die Kunstvereine und Gemeinden wieder Veranstaltungen organisieren?

Ich gestehe, ich genieße das zur Zeit sehr.

Mit meinem Göttergatten war ich Ende März im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck nahe Bonn, in den letzten Wochen mit einer Freundin in zwei Ausstellungen in Waldbröl und Gummersbach. Und auf der Ausstellungseröffnung des Projektes “bqunst 2020”, bei dem wir beide beteiligt sind (ich hatte hier darüber berichtet).

Dabei ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen sich in Ausstellungen verhalten, vor allem in Museen kann man das gut beobachten. Während die einen fast ohne Anzuhalten durch die Räume schlendern, bleiben andere vor jedem Werk stehen und betrachten es genau. Manche scheinen mit ihren Begleitungen zu diskutieren, einige lesen die Informationen auf den kleinen Schildern, andere lauschen den Erläuterungen in ihrem Audio-Guide.

Auch auf die Werke selber reagieren wir sehr unterschiedlich. Ihr habt euch bestimmt schon mal dabei ertappt, dass ihr spontan dachtet: “Das kann ich auch!” Oder: “Sowas muss ich mal ausprobieren.” Oder: “Das würde ich mir aber nicht in die Wohnung hängen.” Bin hin zu: “Und das soll Kunst sein?”

Ich glaube, wir neigen dazu, über das, was wir sehen, schnell ein Urteil zu fällen. Zumindest ein erstes. Weil wir das im Alltag ständig müssen. Unser Gehirn ist daran gewöhnt, all die Eindrücke, die auf uns einströmen, zu filtern, um nicht überwältigt zu werden.

In einer Ausstellung ist das aber gar nicht nötig. Ich muss nicht gleich bewerten, ich kann mir Zeit nehmen und mich auf ein Werk einlassen. Das sage ich mir jedes Mal von neuem, denn der Automatismus von “bewerten und weiter” schlägt auch bei mir zu.

Manchmal zeigt sich, dass sich meine Meinung zu einem Bild ändert, wenn ich es länger betrachte. Dass ich etwas darin entdecke, was mir beim ersten Blick nicht aufgefallen ist. Und manchmal stelle ich trotzdem fest, dass ich mit einem Werk nichts anfangen kann. Aber dann habe ich ihm immerhin eine Chance gegeben.


How do you react to art?

Are you also happy that it’s quite easy to visit exhibitions again? That not only large museums are open, but also that art associations and communities are organizing events again?

I confess I’m really enjoying it at the moment.

I was at the Arp-Museum Bahnhof Rolandseck near Bonn with my husband at the end of March, and in the last few weeks with a friend in two exhibitions in Waldbröl and Gummersbach. And at the exhibition opening of the “bqunst 2020” project, in which we are both involved (I reported about it here).

It struck me how differently people behave in exhibitions, you can see that particularly well in museums. While some stroll through the rooms almost without a pause, others stop in front of each work and examine it closely. Some seem to be arguing with their companions, some reading the information on the small signs, others listening to the explanations in their audio guide.

We also react very differently to the works themselves. You’ve probably caught yourself thinking spontaneously: “I can do that too!” Or: “Something I have to try.” Or: “I wouldn’t hang that in my apartment.” Up to: “And that’s supposed to be art?”

I think we tend to make quick judgments about what we see. At least a first one. Because we have to do it all the time in everyday life. Our brain is used to filtering all the impressions that come our way so as not to be overwhelmed.

In an exhibition, however, this is not necessary at all. I don’t have to judge right away, I can take my time and get involved with a work. I tell myself that every time, because the automatism of “evaluate and continue” also hits me.

Sometimes it turns out that my opinion of an image changes the longer I look at it. That I discover something in it that I didn’t notice at first glance. And sometimes I still find that I can’t do anything with a work. But then at least I gave it a chance.

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